Volkstheater

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Wir verabschieden uns nach 42 Jahren und bedanken uns bei unserem Publikum.

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42Jahre Volkstheater Frankfurt

Verleihung der Ehrenplak...
Verleihung der Ehrenplakette

Video mit Fotografien aus vier Jahrzehnten (StuGraPho, Gerhard Pauly). Bitte klicken Sie auf das Bild, um das Video zu sehen.

42 Jahre Volkstheater Frankfurt – Liesel Christ

Was das Volkstheater Frankfurt - Liesel Christ - war, zeigte sich in seinem Spielplan.

Das Frankfurter Volkstheater stellte ein vielfältiges Angebot von volksbezogenen Werken des großen Theaters, bewährten Unterhaltungsstücken, Arbeiten engagierter junger Autoren und auch Wiederentdeckungen längst vergessener Bühnenliteratur vor.

Der Bogen des Repertoires spannt sich von Goethes „Urfaust“ über Zuckmayers „Der fröhliche Weinberg“ und „Katharina Knie“ bis Breitbachs „Jubilarin“, Brechts „Mutter Courage“ oder „Dreigroschenoper“.

Er umfaßt sowohl beliebte Stücke des alten Frankfurter Mundarttheaters von Malß und Stoltze oder des Darmstädters E.E. Niebergall, wie auch die neuen, sozialkritischen, zeitgenössische Dimensionen erschließenden Werke von z.B. Wolfgang Deichsel, Fitzgerald Kusz oder Sabine Thiesler, wie „Bleiwe Losse“, „Schweisch Bub'“ und „Hochzeit bei Bohneberjer“.

Das 1971 von Liesel Christ gegründete Ensemble, damals noch ohne festes Haus, ist längst ein hoch anerkannter Faktor des Frankfurter Theaterlebens geworden und hat sein adäquates Domizil im Cantatesaal neben dem Goethehaus gefunden.

Als einziges Theater der Stadt spielte das Volkstheater Frankfurt Liesel Christ alljährlich während der Sommermonate im Freilicht, im Dominikanerkloster, Innenhof, um eine sehr beliebte Frankfurter Tradition fortzusetzen. Besonders stolz war die gesamte Theatermannschaft, daß bei Regen keine Vorstellung ausfallen mußte: weil eine zweite Dekoration im Großen Hirschgraben problemlos für eine kurzfristige Verlegung ins Trockene sorgte.

Im Volkstheater Frankfurt wurde bewiesen, dass Mundart nicht nur Heiterkeit hervorruft, sondern alltägliches und provinzielles Denken dem Publikum viel realistischer nahe gebracht werden kann, als es die Hochsprache vermag.

Der Spielplan wollte unterhalten und beschäftigen, amüsieren und nachdenklich stimmen, immer in der Sprache, die die seines Publikums ist. Im zweijährigen Rhythmus spielt das Volkstheater Frankfurt Liesel Christ Goethes „Urfaust“ vor dem Frankfurter Dom im Historischen Garten.

Leider steht der archäologische Garten als Spielort nicht mehr zu Verfügung. In 2010 spielte das Volkstheater Frankfurt in diesem Arial vor dem Frankfurter Dom den hessischen Jedermann von Wolfgang Kaus nach Fitzgerald Kusz. Mit Ralf Bauer, Helmut Markwort und Alexandra Seefisch in den Hauptrollen. 17 ausverkaufte Vorstellungen bei bestem Sommerwetter. Tribünen wurden extra für dieses Areal angefertigt für 800 Besucher.

Bekannt und gefragt wurde das Volkstheater Liesel Christ über die Grenzen Frankfurts auch durch seine zahlreichen Gastspiele im gesamten Raum Hessen, in Israel: in Tel Aviv und Haifa, sowie seine über 20 Fernsehaufzeichnungen vom Hessischen Rundfunk, zum Beispiel „Der eingebildete Kranke“ mit Heinz Schenk und „Die fünf Frankfurter“, noch mit Liesel Christ, nicht zu vergessen das „Dinner for One“ uf Frankfurterrisch, alles aufgezeichnet in unserem Theater im Cantatesaal.

Das Volkstheater Frankfurt beschäftigte im Jahr durchschnittlich 50 Angestellte. Sämtliche Produktionen, 5–6 Inszenierungen einschließlich Märchen, in ca. 255 Vorstellungen. Alle Inszenierungen entstanden mit dem eigenen Ensemble.

Die Bühnenbilder wurden in der eigenen Werkstatt des Volkstheaters hergestellt. Auch als Ausbildungsstätte waren wir anerkannt. Das Volkstheater zählte pro Jahr 76.000–80.000 Besucher im Durchschnitt.

Vom ehemaligen Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann erhielt das Ensemble des Volkstheaters den Harlekin, die Auszeichnung der Frankfurter Volksbühne, mit der Begründung, daß es auf höchstem künstlerischen Niveau arbeite, mit dem minimalsten wirtschaftlichen, finanziellen Aufwand. Aber allerdings mit dem höchsten persönlichen Engagement aller Mitarbeiter.

Liesel Christ und Wolfgang Kaus erfanden das „literarische Volkstheater“. Wolfgang Kaus übertrug mit großem Erfolg volksbezogene Werke der klassischen Theaterliteratur aus Italien, Frankreich, Spanien, England und Rußland feinfühlig in unsere hessischen Mundart. Als wären diese Werke niemals in einer andere Sprache geschrieben worden.

Wir setzten mit Wolfgang diesen Weg fort, als Liesel Christ am 15. August 1996 verstorben war. Das Publikum dankte uns dafür, der Spannungsbogen des Spielplans wurde größer und größer. Ganz großen Anteil an unserem Volkstheater-Stil hatten die Bühnenbildner Hermann Haindl und Rainer Schöne sowie die Kostümenbildnerin Bärbel Christ-Heß.

Zu unserem Repertoire gehörten die Musik, kleine Operetten, und Singspiele. Das Ensemble war immer sehr musikalisch. Eine Umbesetzung in einer Revue ließ uns eine ganz junge Schauspielerin kennen lernen. Sie kam frisch von der Schauspielschule, Helene Fischer, heute einer der erfolgreichsten Schlagerstars.

Wolfgang Kaus engagierte für die Rolle des „Faust´s“ im Urfaust den Fernsehliebling Ralf Bauer. Ralf spielte bei uns den Romeo und den Jedermann; er wurde ein guter Freund des Theaters. Ebenso Helmut Markwort in der Rolle „der Tod“ im hessischen Jedermann.

Das lang geplante Stück „Anatevka“ besetzte Wolfgang mit dem Schlager- und Opernsänger Toni Marshal. Das löste weltweit aus, dass in Deutschland im Frankfurter Volklstheater ein neuer Tevje zu sehen und hören sei.

Auch Margit Sponheimer war in vielen Stücken ein gern gesehener Gast. Sylvia Hoffman übernahm in den letzten fünf Jahren als großartige Regisseurin die künstlerische Leitung an unserem Theater.

Sie inszenierte und entdeckte Aufführungen wie: „Alt Weiberfrühling“ und führte uns schließlich mit sanfter Gewalt zu dem Musical „Ein Käfig voller Narren“ („La Cage aux Folles“) in der Regie von Gaines Hall. In den Hauptrollen: Wolff von Lindenau und Thomas Bäppler-Wolf. Nach 100 ausverkauften Vorstellungen schlossen wir unser über alles geliebte Theater am 25. Mai 2013 für immer.

Wir bedanken uns sehr bei allen Mitarbeitern und Schauspielern, unseren Geschäftspartnern, unserem Publikum und der Stadt Frankfurt am Main

Ihre Gisela Christ